Archiv für Mai 2011

Kiezkicker 7

Nachdem euch in den letzten Ausgaben vorgeschwärmt wurde, wie schön es doch im Leipziger Umland ist, wollen wir euch diesmal die Gruppe hinter den Texten ein wenig näher bringen. Deshalb gibt es heute ein Interview mit Anna und Arthur aus dem Hinterland.

Kiezkicker: Erzählt uns doch erst mal kurz wer ihr eigentlich seid!

Anna: Wir sind eine Gruppe von Antifaschist_innen, die fast alle ihre persönlichen Wurzeln in der Provinz haben und teilweise auch dort noch wohnen und leben. Die meisten von uns haben auch ihre ersten politischen Erfahrungen dort gemacht und wissen quasi aus erster Hand wie schwer kontinuierliche Antifa-Arbeit in der Gegend ist.

Arthur: Wir sehen uns aber schon als eine Gruppe in Leipzig, deren Schwerpunkt oder das Hauptthema in der Vernetzung und Unterstützung der Provinz liegt.

Kiezkicker: Und wie seid ihr zum Stern gekommen?

Arthur: Interesse an Fußball und gemeinsames politisches Engagement.

Anna: Ja, viele von uns sind schon Fußball-Fans und schon länger im Stern-Umfeld bzw. Sympathisanten. Politisch gesehen stehen wir eh auf Seiten des RSL und haben dann über das 1.Mai-Bündnis der letzten Jahre mit den Leuten vom Red Star Supporters Club zusammen gefunden und z.B. gemeinsam den Umland-Arm der Sterndemo im letzten Jahr organisiert. Und natürlich war Brandis und die Demo zum Wiederholungsspiel ein Schlüsselerlebnis was uns mit dem Stern verbunden hat.

Kiezkicker: Ihr habt ja gerade schon von den beiden Demos erzählt. Was macht ihr sonst noch so?

Anna: Wir beteiligen uns an verschiedenen Bündnissen in Leipzig, da wir ja hier auch unser Zuhause haben. Dabei versuchen wir aber auch immer unser Thema mit einfließen zu lassen. So haben wir gerade einen Text zur Jugendzeitung der „fence off“ Kampagne beigesteuert, der aufzeigt, warum uns allen die Provinz etwas angeht. Dann mobilisieren wir zu Aktionen die im Leipziger Umland sind, wie z.B. der Demo in Rochlitz oder dem Crossover-Festival in Grimma.

Arthur: Dazu betreiben wir einen Blog, auf dem die Aktionen angekündigt werden, auf dem wir eigene Texte stellen und bieten daneben eine Infothek an, in der wir Infos für Leute aus der Provinz gesammelt haben und auch fleißig weiter sammeln. Des Weiteren arbeiten wir an der Vernetzung mit anderen Gruppen, vor allem im Leipziger Südraum. Dort läuft es gerade ganz gut, was die Vernetzung angeht.

Kiezkicker: Das klingt nach Arbeit! Wie sehen eure Planungen für den Rest des Jahres aus?

Arthur: Wir freuen uns auf den Aufstieg des RSL. Wie es aussieht werdet ihr ja in der nächsten Saison öfters auch mal bei Auswärtsspielen im Leipziger Land (u.a. Bad Lausick) aufschlagen. Ihr kennt die Gegend ja schon ein bisschen aus unseren letzten Artikeln. Dann steht auch noch der „Volkstrauertag“ im Spätherbst an. In den letzten Jahren sind die Nazis zum Trauern nach Wurzen gefahren und haben dort so gut wie ungestört ihre Ahnen beweint. Wie hoffen, dass ihnen dies nicht wieder gelingt. Und auch dieses Jahr wird es wohl wieder einen Antifa-Kongress in Sachsen geben. Im letzten Jahr haben wir auch dort die antifaschistisch-vernachlässigte Provinz thematisiert und da sich an diesen Zuständen bis jetzt viel zu wenig geändert hat, wird es von uns sicherlich auch wieder auf die Tagesordnung gesetzt werden.

Anna: Wir haben uns auch vorgenommen, eine Dokumentation über das Umland von Leipzig zu machen. Also wo die Probleme liegen, wie der (politische) Alltag aussieht, was die Leute vor Ort sich von uns wünschen, wie wir ihnen am besten helfen können und sollten. Aber das ist bis jetzt erst eine grobe Vorstellung davon, was es mal werden soll. Aber das Projekt steht gerade am Anfang und wir sondieren erst einmal was von unserer Seite überhaupt möglich ist und wer uns unterstützen würde und könnte.

Arthur: Die Vorlage nutze ich gleich mal… Wer hat Lust uns zu unterstützen? Wir freuen uns immer über neue Mitstreiter_innen, denen die Provinz genauso am Herzen liegt wie uns. Wir treffen uns in der Regel einmal in der Woche an einem Abend in sicherer Umgebung. Bei Interesse einfach mal ne mail an uns schicken…

Kiezkicker: Das hast du aber schön gesagt und es wäre auch ein schöner Schlusssatz, aber eine Frage habe ich noch. Ist die Antifa-Arbeit in der Provinz mehr als „nur“ mit Nazis zu tun zu haben?

Anna: Definitiv ja! Obwohl wir auch zugeben müssen, dass die Anti-Nazi-Arbeit den größten Teil unseres Tuns in Anspruch nimmt. Trotzdem versuchen wir auch Alternativen für all jene zu schaffen, die kein Bock auf Mainstream und Nazischeiß haben. Aber da steckt unsere Gruppe noch in den Kinderschuhen.

Arthur: Das sehe ich auch so. Wir als Gruppe haben auf jeden Fall den Anspruch das Leben in der Provinz zu verändern. Wir sehen dabei die Nazis als lästige Ablenkung von der eigentlichen emanzipatorischen Arbeit im Hinterland. Wir würden auch viel lieber, anstatt uns mit militanten Nazis herum zu ärgern, an die Wurzel des Übels gehen und die kapitalistische Realität angreifen und überwinden. Aber das Eine geht nun mal nicht ohne das Andere, und so werden wir uns wohl noch eine Weile mit Nazis beschäftigen müssen.

Anna: Support your local antifa! Es gibt kein ruhiges Hinterland…

In diesem Sinne,
bis zum nächsten Mal…

anna&arthur
anna.arthur@web.de




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