Kiezkicker 6 (nachgereicht)

In Bewegung bleiben…

In einer der letzten Ausgaben haben wir euch von den Zuständen in und um Geithain berichtet. Unter anderem davon, dass Albert R., ein einschlägig bekannter Nazischläger, mit einer Bewährungstrafe nach einem folgenreichen Übergriff davon gekommen ist. Am 31.03.2011 wurde diese Bewährung in der Berufungsverhandlung zurück genommen und Albert R. muss eine 20-monatige Haftstrafe antreten. Wie viel er davon tatsächlich absitzen muss, steht auf einem anderen Blatt. Womöglich könnte sein Knastkarriere aber länger dauern als erwartet, denn schon am Tag nach der Urteilsverkündung kam es erneut zu einem schweren Naziübergriff in Geithain. Die vermummten Täter stiegen aus ihrem Wagen und schlugen auf ihr Opfer ein und verletzten dieses schwer. Unter anderem wurde die Hand des alternativen Jugendlichen mit Glas zerschnitten. Unter den Angreifern soll sich, laut Aussage von Menschen aus Geithain, auch wieder Albert R. befunden haben.

Neben diesem schlimmen Vorfall gibt es aber auch mal erfreulichere Nachrichten aus der Provinz. So fanden am 26. März zwei Demonstrationen im brauen Hinterland statt. Zum einen wurde in Burg (Sachsen-Anhalt) gegen Naziterror und Repression demonstriert und in Rochlitz (in der Nähe von Colditz und Geithain) machten Antifaschist_innen mit einer Sponti auf eine Naziveranstaltung, bei der der ehemalige Krankenpfleger von Rudolf Hess, Abdallah Melaouhi, einen Vortrag hielt, aufmerksam.

In Burg kamen rund 450 Menschen zusammen und rockten die Kleinstadt. „Anlass waren die politisch motivierten Aktivitäten des lokalen (neo)nazistischen Milieus, die von Propagandaaktionen, Teilnahmen an Aufmärschen bis hin zu Gewaltüberfällen reichen, sowie polizeiliche und gerichtliche Maßnahmen gegen Burger Antifaschist_innen.

Die Ohnmacht, die in der sachsen-anhaltinischen Provinz durch derlei Lebensverhältnisse und staatliche Zwangsmaßnahmen, erzeugt wird, begegnet die Antifaschistische Aktion dabei mit zunehmendem Selbstbewusstsein und ergreift dabei auch selber die Initiative.

Die Demonstration beinhaltete deshalb nicht nur einen explizit antifaschistischen Ausdruck, sondern enthielt in den Redebeiträgen auch ein klares Bekenntnis gegen das kapitalistisch orientierte Staatsgebilde, dem Klüngelei mit (Neo)nazis vorgeworfen wurde und das im Idealfall durch eine, mittels Klassenkampf, erzeugte Revolution, beendet werden soll.

Vor allem aber die lokale Auseinandersetzung mit den Neonazis ist in Burg sehr gut an den Häuserwänden und Laternenmasten ablesbar. So waren entlang der Demonstrationsroute immer wieder Parolen, für die offenbar die (neo)nazistische „Aktionsgruppe Burg“ die Verantwortung übernimmt, sowie Aufkleber des „Freien Netzes“, auch aktiv im Leipziger Umland, zu sehen.
Vereinzelt ließen sich auch (Neo)nazis an der Strecke blicken. Die örtlichen Führungskader blieben jedoch im Hintergrund verborgen
.“ (Quelle: indymedia)

Auch Leipziger_innen beteiligten sich an der Demo in Burg und verwiesen in einem Redebeitrag auf die derzeitige Kampagne „fence off“, die sich die Schließung des Nazizentrums in Lindenau zur Aufgabe gemacht hat.

In Rochlitz fand eine Spontandemo mit rund 100 Menschen statt. In unseren Augen sind das erfreulich viele Antifaschist_innen (auch aus Leipzig), die die Leute von vor Ort unterstützt haben. Vor allem nach dieser sehr kurzfristigen Mobilisierung, der Aufruf zur Demo erfolgte erst am Abend vorher, kurz nach dem Bekanntwerden der NPD-Veranstaltung. Leider konnte die NPD-Veranstaltung trotzdem ohne Störung abgehalten werden.

Wie der Titel schon fest stellt, jetzt heißt es in Bewegung bleiben. Und die Möglichkeiten dazu gibt es. Am 07. Mai wird wieder in Rochlitz auf die Straße gegangen. Zum zweiten Mal nehmen die Antifas aus Rochlitz, Geringswalde und Burgstädt (Antifa RGB) den 8. Mai (Tag der Befreiung) zum Anlass um mittels einer Demo auf lokale Nazistrukturen aufmerksam zu machen. Außerdem nutzen sie das Datum um die Verstrickungen der Stadt bzw. die Rolle der Region im dritten Reich zu thematisieren und in die Öffentlichkeit zu tragen. Wir rufen euch hiermit auf, die Leute bei ihrer Demo zu unterstützen und am 07. Mai nach Rochlitz zu kommen und praktische Solidarität zu zeigen.

Am 27./28. Mai findet das neunte Crossover-Festival in Grimma statt. Dieses Festival hat sich zum Ziel gesetzt, „Vielfalt erleben“ zu ermöglichen. Bei Musik, Workshops und Infoständen kann das Hinterland zum Tanzen und Menschen zum Nach- und Umdenken gebracht werden. Auch hierzu fühlt euch alle herzlich eingeladen! Im Übrigen ist der Eintritt zum Festival kostenlos

Infos zur Demo in Rochlitz, sowie zum Crossover-Festival in Grimma, findet ihr demnächst auf unserem Blog





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