Kiezkicker 5 (nachgereicht)

Sind wir nicht alle ein bisschen Dorf !?

Warum uns die Provinz alle etwas angeht!

Wenn dir nicht gerade die letzte Veranstaltung über die Utopie der Kommunismus im Kopf herumschwirren kann, da dir der nächste Fluchtweg viel mehr Druck macht, dann bist du als alternativer, anders denkende und nicht ins menschenverachtende Weltbild der Nazis passender Mensch in der Provinz angekommen.

Herzlich Willkommen!

Du gehst auf die Straße und kennst fast jeden Menschen, du hältst einen Plausch mit dem netten Nachbarn der gerade die komplette Winterkollektion von Thor Steinar an hat, dann wirst du freundlich begrüßt und gefragt wie es dir geht, von der Freundin einer Kollegin deiner Mutti, die so eben mit ihrem „Todesstrafe-für-Kinderschänder-Auto“ an dir vorüber fährt. Im Bäcker packt dir die Frau Schmidt schon die Tüte bevor du den mit Schlandfahnen geschmückten Laden betrittst…

Warum ziehst du dort nicht weg?

Klar könnten wir jetzt allen anraten dies zu machen, aber würden wir unsere Vorstellung einer besseren, freien Welt damit nicht selbst Grenzen auferlegen? Ziehen wir uns damit nicht eine wilde, unbezähmbare Provinz heran? Was kommt als nächstes? Stadtteil in denen ein intervenieren nicht mehr lohnenswert ist? Wie es doch schon in vielen Großstädten der Fall ist, erinnern wir doch nur mal an Großzschocher in Leipzig oder das Häckertgebiet in Chemnitz.

In einer emanzipatorischen Gesellschaft, in einer Gesellschaft in der es selbstverständlich ist das der Mensch als Individuum im Mittelpunkt steht, unabhängig seines Aussehen, sexuellen Orientierung, Religion und Herkunft. In der Gesellschaft die wir anstreben muss sich mensch nicht rechtfertigen warum er gerade hier in der Provinz sein Leben gestaltet.

Ist es nicht so, das Antifa in der Provinz ein 24h Job ist, einmal als AntifaschistIn wahr genommen bist du abgestempelt und Zielscheibe für jeglicher Art von Anfeindung und den Meißten persönlich bekannt. Und trotzdem machst du weiter. Und das ist gut so.

Anstatt eben diesen Menschen wegen kleinen Mängeln in der Theorie die Unterstützung zu versagen, muss unsere Solidarität, vor allem auch die praktische Solidarität, den aktiven Menschen in der Provinz gelten. Die haben es auch ohne die Großstadt schon schwer genug. Wir müssen anerkennen und verstehen, dass die Probleme in der Provinz sich stark von denen in der Stadt unterscheiden. Wenn mensch von Nazis akut bedroht wird, dann ist das Interesse an einer Theorieveranstaltung über global-kapitalistische Ausbeutung nicht wirklich groß, obwohl das Thema auch bei Provinz-Antifas auf dem Schirm ist. Die Beschäftigung mit Theorie geschieht eher im kleinen abgeschotteten Kreis, oftmals auch ein langjähriger Freundeskreis, Texte werden gelesen, aber die Möglichkeit zur Diskussion, zu einer intensiven Auseinandersetzung bleiben beschränkt.

Dies spiegelt sich, so zumindest unsere Erfahrung, auch in Texten und Aufrufen aus der Provinz wieder. Dies wiederum wird, auch das ist unsere Erfahrung, von Gruppen aus den Städten, die ein viel breiteres, ja auch erlebareres politisch-diskursives Spektrum haben, als Begründung hervor gebracht, eben nicht in die Provinz zu fahren und Aktionen vor Ort zu unterstützen. Was wiederum die Separierung der Provinz-Antifas, im Theoriebereich vorantreibt.

Und ehrlich gesagt, wie wollen wir anderen eine bessere Welt praktisch aufzeigen, ohne Menschen die unsere Vorstellungen vom Leben, vor Ort teilen. Anstatt uns immer weiter zurück zu ziehen und in Zentren zu ballen, müssen wir die Provinz wieder beleben. Möglichkeiten dazu gibt es immer. Doch dafür bedarf es nicht nur der Vernetzung der Dörfer unter einander, sondern auch die Vernetzung der Städte mit der Provinz. Beide, Stadt und Dorf, können und müssen von einander und vor allem miteinander lernen und sich weiter entwickeln. Eine emanzipatorische Gesellschaft in der Stadt wirkt sich immer auch positiv auf die umliegenden Gemeinden aus, gleichzeitig sollte aber nicht die negative Wirkung einer un-emanzipatorischen Provinz auf die Städte unterschätzt werden.

Wenn uns das jetzt nicht gelingt, dann verlieren wir den Fuß in der Tür und damit auch ein weiteres Stück Lebensraum. Dann wird noch mehr Provinz zur no-go-area für uns und viele andere Menschen.

In dem Sinne….

Rennst du noch, oder lebst du schon?





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