Archiv für April 2011

07.05.2011 – Demo – Rochlitz

An Geschichte erinnern heißt handeln statt vergessen!

Der 8. Mai steht für die militärische Zerschlagung und die bedingungslose Kapitulation Nazi-Deutschlands. Er steht für die Befreiung der Konzentrationslager, der ZwangsarbeiterInnen, für die Beendigung des 2. Weltkrieges in Europa, der insgesamt über 50 Millionen Leben gekostet hatte. Er steht für das Ende der Barbarei des Nationalsozialismus, für das Ende der Shoa.
Es ist ein Tag, an dem all denjenigen gedankt werden sollte, die diese Befreiung durchgesetzt haben und all derer gedacht, die Opfer des deutschen Vernichtungswahns wurden.

Aus diesem Grund gibt es auch in diesem Jahr eine antifaschistische Demonstration in Rochlitz, die am Samstag den 07.Mai an den Tag der Befreiung erinnert.

Wir rufen euch auf, die Antifas in der sächsischen Provinz zu unterstützen und an der Demo teil zu nehmen. Lasst uns den Nazis zeigen, dass es für sie kein ruhiges Hinterland gibt! Um möglichst sicher an- und abzureisen, wird es von Leipzig aus einen Autotreffpunkt geben. Der Treffpunkt ist am 07.Mai, um 12Uhr an der Ecke Auerbachstraße / Wolfgang-Heinze-Straße. Seid solidarisch und kommt zahlreich.

P.S.: erst in Rochlitz die Provinz rocken und am Abend im Conne Island bei der „fete de la Liberation“ in den Tag der Befreiung feiern…

Wir sehen uns!

AuA – Anna und Arthur [im Hinterland]

Aufruf der Antifa Rochlitz Geringswalde Burgstädt zur Demo

An die Geschichte erinnern…

Der 8. Mai steht für die militärische Zerschlagung und die bedingungslose Kapitulation Nazi-Deutschlands. Er steht für die Befreiung der Konzentrationslager, der ZwangsarbeiterInnen, für die Beendigung des 2. Weltkrieges in Europa, der insgesamt über 50 Millionen Leben gekostet hatte. Er steht für das Ende der Barbarei des Nationalsozialismus, für das Ende der Shoa.
Es ist ein Tag, an dem all denjenigen gedankt werden sollte, die diese Befreiung durchgesetzt haben und all derer gedacht, die Opfer des deutschen Vernichtungswahns wurden.

Rochlitz…

Die Stadt Rochlitz handelte schon frühzeitig als aktiver Teil des NS- Regimes. So wurde bereits 1933 Adolf Hitler Ehrenbürger der Stadt. Ebenfalls 1933 wurde die Muldenbrücke errichtet und nach dem Reichsstatthalter und Gau Leiter von Sachsen, Martin Mutschmann, benannt. Ein Jahr später konnten die Nazis im Stadtrat Fuß fassen und den Bürgermeister absetzen. 1936 wurde das „Fest der Landschaft Rochlitz- 1000 Jahre Deutsch“ gefeiert und ab 1938 siedelte sich mit der „Mechanik GmbH“ auch die Rüstungsindustrie in Rochlitz an. Ab dem 18/19. September 1944 bis zum 28. März 1945 betrieb das KZ Flossenbürg in Rochlitz ein Außenlager, dass als „Außenkommando Rochlitz“ bezeichnet wurde. In diesem Außenlager mussten etwa 600, überwiegend jüdische Frauen, Zwangsarbeit für die „Mechanik GmbH“ verrichten. Nach der Auflösung des „Außenkommandos Rochlitz“ am 28.März, wurden die restlichen ZwangsarbeiterInnen in das „Außenlager Graslitz“ überstellt, wo aufgrund der brutalen Wachmannschaften und der Überfüllung des Lagers grauenhafte Zustände herrschten.

Verstrickungen der „Mechanik GmbH Rochlitz” in die menschenverachtenden Gräueltaten der Nazis gibt es noch weitere. Unter anderem war sie unmittelbar am Aufbau eines der schlimmsten Sächsischen KZ’s beteiligt. So bildete die „Mechanik GmbH“ mit anderen Rüstungsfirmen und der SS, 1944 die „Kriegsbetriebsgemeinschaft Kali- Werk Georgi“ in Wansleben. In Wansleben wurden in riesigen unterirdischen Produktionshallen hydraulische Pumpen für Jagdflugzeuge und Triebwerke, sowie Elemente für Fernlenkwaffen des Typ’s „V1“ und „V2“ gefertigt. Tausende KZ Häftlinge aus Buchenwald und anderen größeren Lagern, aber auch ZwangsarbeiterInnen aus Rochlitz, wurden hier noch bis kurz vor den Zusammenbruch des NS- Regimes zu Tode geschunden und gequält. Aus Überlebendenberichten geht hervor, wie die Zustände in den unterirdischen Hallen gewesen sind. So erinnert sich ein Pole an Temperaturen von 55 Grad und an viele Häftlinge, die vor Erschöpfung und wegen Wassermangel, bewusstlos geworden sind. Ihre Körper waren geschwollen und übersät mit offenen Wunden. Die SS- Wachmannschaften ließen die Häftlinge in 15 Stunden Schichten ohne ausreichend Wasser und Nahrung bis zur Erschöpfung schuften, kranke Häftlinge wurden aller 2 Wochen nach Buchenwald abtransportiert. Rochlitz war somit bis zum Zusammenbruch des NS-Regimes aktiv an den Schreckenstaten der Nazis beteiligt. Auf der offizielen Internetseite der Stadt wird die Geschichte zur Zeit des NS völlig ausgeblendet und verschwiegen, so ist lediglich zu lesen das 1933 die Muldenbrücke errichtet wurde und Rochlitz ab 1945 zu amerikanischen und später zu russischem Besatzungsgebiet wurde. Kein Wort über den Teil, den Rochlitz dazu beigetragen hat, das Millionen Menschen den grausamen Tod fanden, durch Nationalsozialismus, Rassenwahn und Antisemitismus.

Nach der Befreiung…

Mit der Befreiung 1945 ist es jedoch noch lange nicht getan, denn auch nachdem das NS-Regime bedingungslos kapitulierte, gilt es den Kampf gegen Rassismus, Nationalismus und Antisemitismus weiter zu führen. Somit sehen wir in der Befreiung noch lange kein Ende dieser menschenverachtenden Ideologien in der Geschichte sowie der Gesellschaft.

Das neue Deutschland?!

Bereits 1946 wurden Lebensläufe alter Nazis gefälscht und geschönt, um später wieder hochrangige Staatspositionen besetzen zu können. Auch der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik füllte die Reihen seines Kabinetts mit ehemaligen hochrangigen Nazis wie z.B. Hans Globke, der an der Ausarbeitung einiger Gleischaltungs- und Rassengesetze beteiligt war, oder Theodor Oberländer, der schon 1923 am Hitlerputsch teilnahm und 1933 Obersturmführer der SA wurde. Immer wiederkehrende Verharmlosungen ranghoher Politiker, gegenüber der jüngsten deutschen Geschichte und der Kriegsschuld, ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des neuen Deutschlands und reissen bis heute nicht ab. Das Rassismus und Diskriminierung in weiten Teilen der Gesellschaft fest verankert sind, zeigten die brutalen Anschläge und Übergriffe auf Asylbewerberheime und Unterkünfte wie z.b. in Rostock-Lichtenhagen, Mölln oder Hoyerswerda, die unter dem Beifall der Bevölkerung stattfanden. Bilder dieser Tage zeigen die nationalistische Euphorie, die durch die Wiedervereinigung 1989 hervorgerufen wurde. Trotz dieser Ereignisse bemühten sich deutsche PolitikerInnen und Parteien durch verbale Abgrenzung, das Image eines positiven und ausländerfreundlichen Deutschlands zu wahren.

Staatsrassismus…

Während kontinuierlich, auf brutalste Art und Weise, durch deutsche Behörden abgeschoben wurde und immer noch wird, änderten die Regierungsparteien 1993 das Grundrecht auf Asyl (Art. 16a GG) und schafften es durch die Dritt-Staaten-Regelung faktisch ab. Unzumutbare Zustände wie Rassistische und sexuelle Misshandlung in Abschiebehaft von Wärtern und privat angestelltem Sicherheitspersonal sind genauso trauriger Alltag, wie die legitime Anwendung von Gewalt gegenüber Flüchtlingen. Auch die Lebenssituation in den Asylbewerberheimen sind prekär und nicht hinnehmbar. Neben dem Befall von Schimmel und einer regelrechten Kakerlakenplage, müssen sich die Asylsuchenden mit anderen Bewohnern die Sanitären Anlagen teilen und besitzen durch die überwiegend vorhandenen Gemeinschaftsräume so gut wie keine Privatsphäre. Rechtliche Einschränkung gibt es zur Genüge, so zum Beispiel die Residenzpflicht, die den AsylbewerberInnen den Aufenthalt nur in dem Bezirk bzw. Landkreis gestattet, in dem die für ihn zuständige Ausländerbehörde liegt oder das Sachleistungsprinzip, welches besagt, dass den AsylbewerberInnen die ihnen zustehenden Leistungen nicht bar, sondern in Form von Gutscheinen ausgezahlt werden. Mit diesen Gutscheinen kann nur in bestimmten Geschäften und nur ein beschränktes Angebot eingekauft werden.

Und auch die Polizei mischt mit…

Beleidigungen, Gewalt und Schikanen seitens der Staatsgewalt gehören für viele MigrantInnen zum Alltag. Personenkontrollen und Ingewahrsamnahmen gehen einher mit willkürlichen Festnahmen wegen eines generellen Straftatverdachtes. Auch um Ihr Leben müssen sich MigrantInnen fürchten. So Starb zum Beispiel Oury Jallho, am 07.Januar 2005, in einer Dessauer Polizeizelle nachdem er am Vormittag in Gewahrsam genommen wurden war. Er war festgekettet, als gegen 12.00 Uhr ein Feuer ausbricht. Als Oury mit aller Kraft um sein Leben gebrüllt haben muss, hören die diensthabenden Beamten, trotz angestellter Gegensprechanlagen, nichts. Mehrmals brach Feueralarm aus, der von den Polizisten ignoriert und ausgestellt wurde. Die genauen Umstände seines Todes sind bis heute ungeklärt. Fragen zu dem Todesfall Oury Jallohs sind zahlreich und erschreckend. So bleibt offen, wie ein Feuerzeug in die Zelle gelangte, obwohl Oury Jalloh zuvor gründlich durchsucht worden war? Oder wie kann ein an Händen und Füßen gefesselter Mensch eine feuerfeste Matratze in Brand setzen? Der Prozess, der gegen die diensthabenden Polizeibeamten begann, war eine Farce: Vertuschung des Mordes an Oury Jalloh, Küngelei und Mauern der PolizistInnen, Lügen und Falschaussagen der ZeugInnen und Angeklagten blieben ohne Konsequenzen.

Alltagsrassismus…

Für weite Teile der Gesellschaft gilt, dass sich hier eine völkisch-autoritäre Alltagskultur entwickelt hat, die in alle Teile der Bevölkerung reicht. Sie ist geprägt von einem rassistischen Konsens, welcher alles, was nicht in das Bild der Mehrheitsbevölkerung passt ausgrenzt und mehr oder weniger offen bekämpft. So sind am Beispiel von Sachsen, 65% der BürgerInnen der Meinung „es leben zu viele Ausländer in Deutschland“. Des weiteren meint jeder 5. Sachse, weiße Menschen seien „ zu Recht führend in der Welt“ und „Juden hätten zu viel Einfluss in Deutschland“. So ist es wenig verwunderlich, dass die NPD gerade in Sachsen so hohen Anklang findet. Spricht sie mit ihrer „Nationalistisch-Völkischen Politik“ der Mehrheitsbevölkerung doch direkt aus dem Herzen, gerade wenn es um „Ausländerrückführung“ und „Ausländerkriminalität“ geht. Aber auch die sogenannten „bürgerlichen“ Parteien wie SPD oder CDU sind Teil des rassistischen Konsens. Kampagnen gegen „doppelte Staatsbürgerschaft“ ,Sprüche wie „das Boot ist voll“ oder islamophobe Thesen wie die von Thilo Sarrazin verdeutlichen dies.

Die „neuen“ Nazis…

Bedrohungen und gewaltsame Übergriffe von Neonazis sind alltäglich. Sie richten sich gegen Alle, die nicht in
das „menschenverachtende“ Weltbild der Nazis passen. Allein 2010 wurden in Sachsen 17 Brandanschläge verübt, unter anderem auch auf Wohnhäuser, und somit billigend der Tod von Menschen in Kauf genommen. Gerade in der sächsischen Provinz sind die Nazis sehr aktiv und mit dem Ausbau weitere Strukturen beschäftigt. So zum Beispiel am 21. Januar im „Cafe Kosmos“ in Rochlitz. Hier versammelten sich regionale sowie überregionale NPD‘ler und die sogenannten „Freien Kräfte“ und gründeten einen neuen Ortsverband der NPD. Der Raum Mittelsachsen zählt zu einer der Hochburgen des „Freien Netzes“ und der „Freien Kräfte“, die durch ihr aggressives und gewalttätiges Verhalten zur Etablierung einer rechten Hegemonie beitragen. So sind es meist auch die „Freien Kräfte“, die an Drohungen und Übergriffen beteiligt sind. Auch vor Mord wird nicht zurückgeschreckt. So haben zum Beispiel in der Nacht zum 24. Oktober zwei deutsche Rassisten vor dem Leipziger Hauptbahnhof auf den Iraker Kamal K. eingestochen. Der damals 19 Jährige erliegt später seinen Verletzungen. Beide Mörder haben einen rechten Hintergrund. So war einer der Täter, der Leipziger Daniel K. , jahrelang in einer Neonazi Kameradschaft aktiv und trug bei seiner Festnahme einen Szene Pullover mit der Aufschrift „Kick off Antifascism“.

Deshalb…

An den 08.Mai zu erinnern heißt für uns: Das Gedenken an den millionenfachen Massenmord Nazideutschlands wach zu halten, den Kampf gegen alle neofaschistischen Strukturen im Hier und Jetzt unnachgiebig fort zu führen und mit Nachdruck an der emanzipatorischen Überwindung bürgerlich-kapitalistischer Verhältnisse und seines Vernichtungspotentials zu arbeiten.

NIE WIEDER DEUTSCHLAND!!!
SOLIDARITÄT MIT DEN OPFERN
FASCHISTISCHER UND RASSISTISCHER GEWALT!!!
KEIN BOCK AUF VOLKSGEMEINSCHAFT!!!




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